Testbericht: Quantec Cyclocross SLR CC Custom
2011-01-19 03:25:00
Testbericht: Quantec Race SLR CC Custom
Text und Fotos: Denis-Oliver HoinsAls begeisterter Rennrad- und Rennfahrer habe ich mir vor einigen Jahren zusätzlich ein Mountainbike gekauft, um auch im Winter vernünftig trainieren zu können. Fortan war ich der Meinung, das sich für jeden Zweck das richtige Rad im Stall habe. Nun bekam ich den Auftrag mit dem Quantec Race SLR CC ein Querfeldeinrad ( neudeutsch: Crossrad ) zu testen, und war zugegebenerweise zunächst skeptisch. Meine Meinung sollte sich jedoch grundlegend ändern.
„Ein Rad irgendwo zwischen Rennrad und Mountainbike, klingt erst einmal nach einem seltsamen Kompromiss, der beiden Seiten einfach nicht gerecht werden kann“, ziemlich genau das waren meine Gedanken. Eher skeptisch stellte ich mir also „meinen“ Quantec Crosser zusammen. Ein Custom-Rad sollte es werden, also ein Rad ganz nach meinen Wünschen. Die wichtigsten Komponenten hier in Kurzfassung: Als Schaltgruppe suchte ich mir die neue Shimano 105 ( RD-5700 ) aus. Da die Kurbel optisch in meinen Augen aber nicht an das Rad gepasst hätte, habe ich mich hier für die Centaur-Carbon-Kurbel von Campagnolo entschieden. Bei den Laufrädern habe ich allerdings wieder ein japanisches Produkt ausgewählt, hier sollten es die relativ leichten Shimano WH-RS80 werden. Kurz darauf stand das Rad bei mir in der Wohnung und wir betrachteten uns gegenseitig, immer noch ein wenig skeptisch. Aber die Neugier war geweckt und so fand ich mich wenig später mit Radkleidung und MTB-Schuhen an den Füßen vor der Tür wieder.
Der Weg hinaus aus der Stadt gab mir Gelegenheit das Rad erst einmal auf der Straße kennen zu lernen, bevor wir uns ins Gelände wagen würden, und sorgte schnell für die erste Überraschung. Das Fahrgefühl auf der Straße unterscheidet sich nicht großartig von dem meines Rennrades, dafür merke ich aber, dass die breiten Reifen auf den winterlich nassen Straßen ein deutlich größeres Sicherheitsgefühl bieten als die schmalen Pneus den Rennrades. Gleichzeitig fiel aber das stark bremsende Gefühl weg, dass die Reifen des MTB bei jeder Pedalumdrehung erzeugen. Nach wenigen Kilometern hatte ich völlig vergessen, dass ich auf einem Crosser sitze und fühlte mich wie auf einem normalen Rennrad. Dazu trug auch die sportlichere Sitzhaltung bei, die jedes MTB-Gefühl im Keim erstickt. Dass das Rad aber viel mehr kann wurde mir bewusst als die Straße unter mir zeigte, dass auch der beste Asphalt gegen einen starken Winter mitunter keine Chance hat. Der Belag glich einerKraterlandschaft, die ein normales fahren mit einem Rennrad wohl unmöglich gemacht hätte. Nicht so mit dem Quantec SLR CC. Es steckte die Schläge souverän weg und dämpfte sie mit seinen 34 mm breiten Michelin Cross Jet Reifen, der PRO-Bikegear Vollcarbongabel und der Campagnolo Carbonsattelstütze dabei spürbar; ein Vorgeschmack auf dieTrainingsstrecke im Wald.
Die Trainingsstrecke ist ein Rundkurs und besteht aus einem Teilstück „Waldautobahn“, einem anspruchsvollen technischen Abschnitt auf einem Singletrail mit einigen Wurzeln und größeren Steinen, einem kurzen aber steilen Anstieg und einer ebenso steilen Abfahrt auf der Gegenseite.
Los ging's: Im ersten Abschnitt brachte ich das Rad auf Geschwindigkeit. Das Quantec beschleunigte dabei enorm leichtfüßig, der steife Rahmen setzt die Energie spürbar direkt in Vortrieb um und fordert geradezu dazu auf in jeder Sekunde Höchstleistung zu bringen. Ich bog mit hoher Geschwindigkeit nach rechts auf den Singletrail ein und ließ das Rad im lockeren Griff über die Hindernisse fliegen. Dabei viel mir zumersten Mal die enorme Wendigkeit das Quantec auf. Seine direkte, sportliche Lenkung lässt es leichtfüßig und wieselflink auch durch schwierige Passagen gleiten und gibt dem Fahrer ein wohltuendes Sicherheitsgefühl. Die Federgabel vermisste ich nur selten an größeren Ästen, die den Weg versperrten. Mit dem Mountainbike wäre ich hier wohl einfach drüber gerollt, mit dem Crosser traute ich mich dies nicht so einfach und tastete mich vorsichtig heran. Die nächste Rechtskurve ist sehr scharf, so dass es nicht möglich ist die Geschwindigkeit in den direkt folgenden Anstieg mit etwas über 20% Steigung auf losem Untergrund mitzunehmen. Also schaltete ich bereits vor der Kurve auf das kleine Blatt der Kompaktkurbel und versuchte die Kurve möglichst schnell zu durchfahren. Das trotz der Rahmenhöhe von 60 cm sehr leichte SLR CC offenbarte hier keinerlei Schwächen, ganz im Gegenteil. Sein geringes Gewicht erleichterte den Aufstieg spürbar und machte diese, mit dem MTB sonst hammerharte Passage, ansatzweise erträglich. Die fast unmittelbar folgende Abfahrt ging ich dafür aber mit deutlich geringerer Geschwindigkeit an. Die Bremskraft der Mini V-Brakes kommen natürlich nicht an die der hydraulischen Scheibenbremsen eines MTB heran, so dass ich erst einmal vorsichtig war. Die Crossprofis setzen allerdings auch ( noch ) auf Felgen-, und nicht auf Scheibenbremsen, da beim Cross, speziell in Rennen, lediglich kurz angebremst wird und die Bremskraft hierfür völlig ausreicht. Ausserdem ist diese Lösung im Vergleich zu Scheibenbremsen deutlich leichter, und Gewicht ist im Crosssport mit den steilen Anstiegen und Tragepassagen ein wichtiger Faktor. Dass ich die Abfahrt daher viel zu vorsichtig angegangen bin, bemerkte ich sofort und ärgerte mich ein wenig über die verschenkten Sekunden. Eine weitere Rechtskurve später war ich wieder am Startpunkt. Mit einer Top Zeit und das gleich in der ersten Runde! In der nächsten Runde wurde mir klar, was mir in der ersten schon dämmerte: DasQuantec Race SLR CC ist eine erstklassige Rennmaschine. Mit der gewonnenen Sicherheit fuhr ich noch etwas schneller durch die ersten beiden Passagen, traute mich mit voller Geschwindigkeit einen Bunnyhop über die Äste zu springen, und trug das Rad crossergerecht schulternd den Anstieg hoch. Dieses Mal ging ich auch die Abfahrt mit mehr Mut an und wurde prompt mit einer neuen persönlichen Bestzeit belohnt. Viele Runden folgten und mit steigender Sicherheit begann ich mit Bunnyhops, auf-, abspringen und schultern zu experimentieren. Dabei merkte ich schnell das crossen, mehr noch als mountainbiking ein ganzkörperworkout ist, und dazu noch richtig Spaß macht. Als es anfing zu dämmern, machte ich mich wieder auf den Rückweg.
An dieser Stelle hätte der Fahrbericht eigentlich beendet sein sollen. Jedoch kam ich während der Rückfahrt auf eine Idee. Wenn sich das Quantec Race SLR CC schon mit breiten Stollenreifen so gut auf derStraße fahren lässt, wäre es doch interessant zu wissen, wie es sich mit normale Rennradreifen fährt.Noch am gleichen Abend tauschte ich also die Crossreifen gegen 23 mm Continental Grand Prix 4000 und startete am nächsten Morgen zur zweiten Testrunde. Das Rad verhielt sich mit den Rennradreifen nun genau so, wie ich es erwartet habe. Im direkten Vergleich mit einem Rennrad ist die Sitzposition etwas aufrechter und komfortabler, vermittelt aber trotzdem immer noch das sportliche Gefühl eines Rennrades. Der Quantec-Rahmen bestätigte seine Vorstellung vorm Vortag und präsentierte sich durch seinen sehr steifen Tretlagerbereich extrem beschleunigungsfreudig. Mit seiner präzisen Lenkung stellt sich ein sportliches Fahrgefühl ein. Da Gabel und Sattelstütze aus Carbon, sowie der Selle San Marco Sattel Regale Carbon FX in schwarz für anständigen Komfort sorgen, sind auch längere Touren ohne Probleme möglich. Das Quantec Race SLR CC avanciert somit von der kompromisslosen Cross-Rennmaschine zum idealen täglichen Trainingsbegleiter.
Fazit:Das Quantec Race SLR CC präsentierte sich im Gelände als reinrassige Rennmaschine und zeigt, dass sich gute Aluminiumrahmen nach wie vor neben ihren Carbonkollegen behaupten können. Die direkte Lenkung und der extrem steife, leichte Alurahmen geben dem Rad die Wendigkeit und Spritzigkeit, die es abseits der Straße benötigt. Aber es präsentierte sich nicht nur als Offroadrennmaschine, sondern auch als ideales Rad für das tägliche Training bei Wind und Wetter. Positiv zu erwähnen wären noch die Shimano 105 Antriebseinheit, die in jeder Gelegenheit, auch unter Vollast, zuverlässig und präzise Ihren Dienst versah. In wohl keinem Moment hätte es eine andere Schaltung wesentlich besser machen können, im verschleißintensiven Cross-Sport sind günstige Ersatzteile ein äußerst angenehmer Nebeneffekt.
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